Nachdenklich, eindrucksvoll und hochaktuell: Literaturkurs Q1 begeistert mit eigenem Stück 

Mit ihrem selbst entwickelten Stück „Was bleibt, wenn wir schweigen? – Die Geschichte der Frau“ hat der Literaturkurs der Q1 einen Abend geschaffen, der das Publikum nachhaltig beeindruckte. Die Aufführung war atmosphärisch dicht, künstlerisch überzeugend und vor allem eines: nachdenklich, kritisch und erschreckend aktuell. 

Besonders hervorzuheben ist, dass das Stück von den Schülerinnen und Schülern eigenständig konzipiert, recherchiert und geschrieben wurde. Die intensive inhaltliche Auseinandersetzung war der Aufführung in jeder Szene anzumerken. 

Gleich zu Beginn wurde das Publikum mit einer beklemmenden Darstellung der sogenannten Hexenverfolgungen (Varvara, Anastasiya, Janick, Louis) konfrontiert. Es entstand eine eindringliche Atmosphäre, die die Willkür und Brutalität dieser Zeit spürbar machte und den Grundton des Abends setzte. 

In der zweiten Szene kam Olympe de Gouges, eindrucksvoll verkörpert von Philine, zu Wort. Als Vorkämpferin der Frauenrechte verfasste sie im 18. Jahrhundert die „Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin“ – ein mutiges Dokument, das sie letztlich das Leben kostete. In der Inszenierung sitzt sie kurz vor ihrer Hinrichtung in der Zelle. Der Satz „Sie schrieb, was Frauen dachten, aber Männer nicht hören wollten“ bringt die damalige Situation prägnant auf den Punkt – und verdeutlicht zugleich die Konsequenzen ihres Handelns. 

Anknüpfend daran wurden Proteste für Frauenrechte eingeblendet, während Janick den stereotypen, auch heute leider noch anzutreffenden Gegenpol verkörperte, der Forderungen nach Gleichberechtigung abwertet. Daraus entwickelte sich ein informativer und zugleich eindringlicher Teil zur Lage von Frauenrechten, insbesondere zum Thema Abtreibung und dessen aktueller gesellschaftlicher Diskussion. 

Ein Zeitsprung führte anschließend auf einen deutschen Schulhof im Jahr 2025. Hier wurde das Recht auf Bildung in den Fokus gerückt. Die Aussagen von Schülerinnen (Sophie, Leni, Anastasiya) wurden dabei kontrastiert durch die Figur der Mariam, gespielt von Melina. In einem besonders bewegenden Monolog schilderte sie die Entwicklung der Frauenrechte in Afghanistan, den Einfluss der Taliban und ihr persönliches Schicksal, das sie zur Flucht nach Deutschland zwang. Diese Szene verband politische Realität mit individueller Erfahrung und hinterließ einen bleibenden Eindruck. 

Nach einer kurzen Pause, die den Zuschauerinnen und Zuschauern Gelegenheit gab, das Gesehene sacken zu lassen, folgte der wohl erschütterndste Teil des Abends. Eingeleitet wurde dieser durch Originalausschnitte aus Bundestagsdebatten zur Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe. Die damaligen Argumentationen wirken aus heutiger Sicht verstörend und machen deutlich, wie jung manche Errungenschaften sind, denn erst 1997 wurde dies in Deutschland als Straftatbestand anerkannt. 

In der anschließenden Szene entwickelten Clara, Fiona und Sophie eine intensive Darstellung einer Ehe, in der ungleiche Machtverhältnisse zunehmend eskalieren und schließlich in einem Femizid münden. Die Szene wurde gerahmt von aktuellen Zahlen und Informationen zu häuslicher Gewalt, vorgetragen von Varvara, die der Darstellung zusätzliche gesellschaftliche Relevanz verliehen.  

Den emotionalen Abschluss bildete eine eindrucksvolle Gesangseinlage von Sophie und Varvara mit Unterstützung von Louis (Q2) mit dem Song „Labour“ von Paris Paloma, die die zuvor gezeigten Inhalte noch einmal auf eine andere, sehr persönliche Ebene hob und das Publikum mit Gänsehaut zurückließ. 

Das minimalistische Bühnenbild in Schwarz-Weiß unterstützte die ernste Thematik und verstärkte die dichte Atmosphäre des gesamten Abends. Das Publikum reagierte mit langanhaltendem, kräftigem Applaus und würdigte damit sowohl die künstlerische Leistung als auch den Mut, sich einem so anspruchsvollen und gesellschaftlich relevanten Thema zu widmen. 

In Gesprächen nach der Aufführung wurde immer wieder betont, wie beeindruckend es sei, dass sich ein Schulkurs so differenziert und kritisch mit der Geschichte und Gegenwart von Frauen auseinandergesetzt habe. Deutlich wurde dabei leider auch: Die im Stück behandelten Themen sind keineswegs abgeschlossen, sondern bleiben – auch im 21. Jahrhundert – hochaktuell. Ein Blick in die aktuelle Berichterstattung genügt, um dies zu bestätigen. 

Ein besonderer Dank gilt neben allen Mitwirkenden auch Frau Müller, die den Literaturkurs begleitet und dieses eindrucksvolle Projekt ermöglicht hat. 

Als Schulgemeinschaft ziehen wir den Hut vor dieser Leistung und haben großen Respekt vor dem, was diese engagierte Gruppe gemeinsam auf die Beine gestellt hat.