Große Hilfe für kleine Füße – 52 Paar neue Schuhe für die Schulkinder auf dem Dach der Welt

Namasté Nepal – wie sehr freue ich mich, wieder in Nepal zu sein!
Seit 2001 bereise ich regelmäßig dieses faszinierende Land im Herzen des Himalayas. Oft werde ich gefragt: „Warum immer wieder Nepal?“ Für mich ist es ganz klar – Nepal bedeutet Farben: leuchtend orangefarbene und gelbe Blumenketten aus den Blüten der weit verbreiteten Tagetes. Die Saris der Frauen: sonnengelb, safranorange oder feuerrot. Nepal sind Gerüche: ein Gemisch aus den Rauchschwaden der Räucherstäbchen, aus dem süßlichen Duft von Butterlampen und den heimischen Lilien. Überall wird auf kleinen Kochstellen gebrutzelt, gedämpft, gebacken und frittiert. Der Duft der Nationalspeisen Dal, Curry, Reis, natürlich auch Masala Chai hängt in der Luft. In Nepal stehen unzählige Stupas an Wegen und Kreuzungen. Überall verleihen wehende Gebetsfahnen ein friedliches Bild im Himalaya-Staat, die Augen Buddhas schauen gnädig in alle vier Himmelsrichtungen, kleine Altäre und Heiligtümer sind in Nischen anzutreffen. Nepal bedeutet aber auch Lärm – hupende Autos und knatternde Mopeds, Fahrrad-Rikschas, die sich mit Klingeln einen Weg bahnen, dazu das ständige Ertönen der Trillerpfeifen der vielen Verkehrspolizisten.

Nepal hat etwas Mystisches, Berührendes! Und die Nepalesen sind besonders liebenswerte Menschen, freundlich und offen, die eine innere Zufriedenheit ausstrahlen. Sie begegnen mir mit einer Herzlichkeit, die tief berührt. Ich fühle mich willkommen, angenommen und respektiert.
Daher ist es wunderbar, dass sich die Gesamtschule der Stadt Mechernich seit 2015 die langfristige Hilfe für behinderte Jugendliche und ihr Engagement für die Schulbildung von Kindern in Nepal zur Aufgabe gemacht hat. Ich reise privat und auf eigene Kosten in den Himalayastaat, um die gesamten gespendeten und von den Schülerinnen und Schülern in zahlreichen Aktionen erwirtschafteten Gelder unmittelbar den Bedürftigen zu überreichen. Dieser direkte Kontakt ermöglicht es mir, die Lebenssituationen vor Ort besser zu verstehen, um gezielt helfen zu können. Aber ganz ohne einheimische Hilfe kann mir das auch nicht gelingen, deshalb möchte ich an dieser Stelle meinen nepalesischen Freunden Mingur, Namgyal, Tsoyan und Maila sowie den vielen Helfern aus Jawalakhel für ihre unermüdliche Unterstützung danken.
Für mich ist es eine Herzenssache, die verschiedenen Projekte der Gesamtschule vor Ort zu besuchen und mithilfe unserer Spendengelder zu unterstützen. Für meinen Nepal-Aufenthalt habe ich mir in diesem Jahr wieder viel vorgenommen.

Erste Station ist der Besuch unserer Patenschule in Ratankot

Der Monat April ist in Nepal besonders schön: die Rhododendren blühen, die Luft ist so klar, dass die herrliche Bergkulisse des Himalayas deutlich erkennbar ist – ich bin auf dem Weg zum heutigen Ziel, dem Bergdorf Ratankot, rund 55 km Luftlinie von Kathmandu entfernt. Wir benötigen mit dem Jeep über vier Stunden. Die Landschaft wird geprägt durch die sorgfältig angelegten Terrassenfelder. Je nach Höhenlage werden Weizen, Hirse, Gemüse und Reis angebaut. Dazwischen leuchten Senffelder mit kräftigen gelben Blüten.
Schon auf der Fahrt zur Schule überholen wir ein Schulkind in Begleitung seiner Mutter – es hat sich herumgesprochen – ich werde erwartet! Das diesjährige Bisket Jatra – das nepalesische Neujahr – findet Mitte April statt, dann schreibt Nepal das Jahr 2082. Der Jahreswechsel bedeutet für die Schulkinder ein neues Schuljahr, es endet stets im März des folgenden Jahres. Jetzt sind Schulferien und trotzdem sind sämtliche 52 Schulkinder aus Ratankot und den umliegenden Bergdörfern in Begleitung von einem Elternteil in die Shree Ratankot Basic School gekommen! Es erfolgt eine herzliche Begrüßung durch die Schulgemeinschaft – „Namaste“ und mir wird ein Blumenstrauß aus Orchideen, Amaryllis und roten Rosen überreicht.

Persönliche Spenden für alle Patenkinder

Der Jeep ist vollgepackt – auf fünf große Reis- bzw. Linsensäcke verteilen sich nach Größen sortiert 52 Paar Schuhe für kleine und große Füße. Unsere Spenden sind ganz persönlich für jedes Patenkind ausgewählt und deshalb entschied ich mich, in diesem Jahr für neue Schuhe für sämtliche Schülerinnen und Schüler!
Es wird ausgepackt, strahlende und neugierige Gesichter – fühlt sich ein wenig an wie Weihnachten! Man sieht nur Schuhe und nackte Füße, es wird anprobiert, bestaunt und letztlich trägt jedes Schulkind mit Stolz und Freude ein Paar neue Schuhe, geschnürte für Jungen, Mädchen hüpfen in praktischen Slippern umher. Nie hätte ich vorher gedacht, dass diese Anprobe so reibungslos verläuft. Es ist unglaublich zu sehen, wie dieses Geschenk der Gesamtschule Mechernich Kinderaugen zum Leuchten bringt. Eine praktische Investition, denn die Schulkinder müssen lange und auch gefährliche Schulwege zurücklegen, teilweise entlang der befahrenen Straßen. Sie gehen oft nur mit einfachen Schlappen oder Sandalen zur Schule.
Auch das Erlernen einer Fremdsprache soll unterstützt werden – für jedes Kind gibt es ein Nepali-Englisch-Buch – All in one.
Für 36 Kinder habe ich auch das Schulgeld von den Pateneltern aus Deutschland im Gepäck. Ich überreiche jedem Elternteil vor Ort persönlich das Geld. Einen Dankesbrief der Kinder kann ich sogar bei meinem zweiten Besuch persönlich entgegennehmen. Herzlichen Dank an die Pateneltern.

Mädchen gehen oft während ihrer Menstruation nicht zur Schule

Es gibt noch Regionen in Nepal – vor allem in hinduistischen ländlich geprägten Gebieten – in denen die Chhaupati-Tradition praktiziert wird. Sie ist zwar gesetzlich verboten, dennoch finden diese traditionellen Bräuche Anwendung, sie sind weit verbreitet. Chhaupati bedeutet, dass Mädchen und Frauen während ihrer Menstruation als unrein gelten. Sie müssen dann isoliert von der Familie in kleinen Hütten bzw. im Viehstall leben. Menstruierende Mädchen und Frauen haben keinen Zugang zu öffentlichen Bereichen, sie dürfen nicht berührt werden und dürfen weder Dorfbrunnen, Pflanzen, Kühe noch Männer berühren. Erschwerend kommt hinzu, dass es im Ländlichen wie beispielsweise in Ratankot keinen Zugang zu Hygieneartikeln gibt. Die im Westen üblichen Binden sind für Nepalesinnen unbezahlbar. Aus Scham bleiben Mädchen oft während ihrer Periode der Schule fern und versäumen daher viele Unterrichtsstunden.
Hier setzt unsere diesjährige Hilfe für Schulmädchen ein – mein Herzensprojekt. Ich überreiche wiederverwendbare, waschbare, nachhaltige Menstruationsbinden, schön, bunt, praktisch und in kleinen Boxen verpackt. Ein wahres Geschenk, denn sie benutzten bisher z.B. nur alte Stoffreste.

Rund 70 Binden werden verteilt. Und wie ich schnell erkenne, hätte ich mindestens noch einmal so viel an die Lehrerinnen und Mütter aus dem Dorf verteilen können – das werde ich mit Sicherheit im nächsten Jahr machen!
Am Rande des Dorfes Ratankot werde ich abschließend zum Mittagessen eingeladen. In einer einfachen Lehmhütte sitzt die Gastgeberin – in der Ecke lodert offenes Feuer – sie bereitet u.a. einen Eintopf aus Senfpflanzen und das traditionelle Roti vor. Hier oben versorgen sich die Menschen weitgehend selbst. Die Familie besitzt neben Ziegen auch einen Wasserbüffel, der als Arbeits- und Lasttier beim Pflügen von Reisfeldern nützlich ist. Mit der Büffelmilch werden sogar eigene Butter und Joghurt erzeugt!
Ich genieße den atemberaubenden Blick über die Reisterrassen und diese unglaubliche Stille. Jedes Jahr freue ich mich über diese Einladung und die herzliche Begegnung.

Ein Wiedersehen mit den Behinderten und Waisenkindern in Panchkhal

Bereits seit zehn Jahren unterstützen wir die Heimbewohner, sowohl Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung als auch Waisen. Die Behinderten sind allesamt hilfsbedürftig, und es werden leider keine Physiotherapie- bzw. Rehabilitationsprogramme angeboten.
2025, als ich mit den Schülerinnen und Schülern der Nepal AG hier war, konnten wir – dank des Engagements der Gesamtschule – zwei Sonnenkollektoren auf dem Dach des Heims aufbauen, eine Dusche installieren und eine behindertengerechte Sitzmöglichkeit für die Heimbewohner anfertigen lassen. Es ist noch alles da und es funktioniert noch alles wunderbar. Und die Jungs genießen die warme Dusche. Auch Fernseher und Waschmaschine aus dem vergangenen Jahr sind funktionsfähig und letztere unterstützt die Betreuer bei ihren täglichen Aufgaben.
Für jeden Heimbewohner gibt es ein neues T-Shirt und das obligatorische Gemeinschaftsessen zur Mittagszeit.
„Was ist eigentlich Glück?“, habe ich mich nach dem Besuch in Panchkhal gefragt. Für mich ist Glück an diesem Tag, den Jungs eine riesengroße Portion Nudeln mit Hühnerfleisch zu servieren und ihnen zuzuschauen, mit welcher Freude sie den Teller leer geputzt haben!

Schwarztee für die Leprakranken

Es ist schon Tradition und ich freue mich jedes Jahr, wenn wir es schaffen, auch für die Lepra-Erkrankten des Leprosium Khokana Touda Spenden zu sammeln, um ihnen damit eine Wertschätzung zu zeigen.
Die Leprösen leben isoliert von der Gesellschaft – sie gehören in Nepal zu den Unberührbaren. Lepra ist eine chronische, bakterielle Infektionskrankheit und gilt als eine Krankheit der Armut. Zudem hat der Lepraerreger eine lange Inkubationszeit. Bei zu später Behandlung führt Lepra zur Lähmung des Nervensystems, hinterlässt vor allem an Armen und Beinen eine vollständige Gefühlslosigkeit. Die Infektionskrankheit greift die Nerven an, die Gliedmaßen werden verstümmelt. Die Entstellungen im Gesicht stigmatisieren die Betroffenen auf Lebenszeit.
Unser Auto ist wieder bis oben vollgepackt – für die mittlerweile 215 Bewohner haben wir Lebensmittel, Seife, Zahnbürsten, Zahnpasta und andere Hygieneartikel mitgebracht. Auch Reis, Speiseöl und verschiedene Gewürze habe ich im Gepäck – alles Waren, die für die Erkrankten unerschwinglich sind. Sogar der von mir mitgebrachte Schwarztee löst Freude aus! Durch Hinzufügen von Zimt, Kardamon und Zucker wird es ein „nicht ganz echter“ Masala Chai, dafür fehlen noch weitere Zutaten, den die Leprösen gern in Gemeinschaft genießen.
Sie lächeln und mit einer demutsvollen Haltung werden die Hände trotz Verkrüppelung vor der Brust gefaltet, um so ihre Dankbarkeit auszudrücken.
Ich erlebte wieder eine wunderbare Zeit in Nepal mit intensiven Begegnungen! Der Abschied fällt mir schwer. Aber ich gehe in Dankbarkeit – ich blicke gerührt, zufrieden und mit einem Lächeln auf diese schöne Zeit zurück!

Die Jury der Kinderhilfsorganisation ‚Jugend hilft – Children for a better World‘ mit Sitz in München fördert unser Projekt schon seit Jahren und hat sich auch erneut für eine Förderung unseres ‚Nepal-Projektes‘ ausgesprochen. Das Preisgeld in Höhe von 1.100 € ist eine tolle Auszeichnung und Anerkennung unseres sozialen Engagements. Die Jury schreibt: „Liebes Nepal-Projekt-Team, es ist richtig toll zu sehen, dass es euer Projekt schon so lange gibt – das zeigt wie viel Herzblut und Durchhaltevermögen ihr investiert (…). Ihr „sammelt nicht einfach nur“ Geld und gebt es den Menschen dort, sondern ihr setzt euch richtig damit auseinander, was eure Zielgruppe braucht und was ihr Leben besser macht. Macht weiter so. Euer Engagement ist inspirierend und verdient großen Respekt“.

Nach meiner Rückkehr aus Nepal erhielt die Nepal-AG folgende Nachricht von ‚Jugend hilft – Children for a better World‘: „Im vergangenen Wettbewerbsjahr wurden insgesamt deutschlandweit 151 Projekte eingereicht, bewertet und unterstützt“.
Anfang April hat die Jury erneut getagt: „Wir freuen uns sehr, euch mitzuteilen, dass ihr es unter die TOP 24 Projekte geschafft habt. Herzlichen Glückwunsch!!“.
Die Wettbewerbsjury wählt Mitte Mai 2026 aus den TOP 24 acht JUGEND HILFT Siegerprojekte 2026 aus. Die Gewinner werden im Herbst nach Berlin eingeladen und im Schloss Bellevue empfangen und bei einer Abendgala ausgezeichnet. Im Jahr 2020 erreichte unser Projekt schon einmal den Platz unter den besten acht mit einer Einladung nach Berlin.
Jetzt heißt es also wieder: Daumen drücken!
Namasté und danke an unsere zahlreichen Projektunterstützer, allen voran den Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule der Stadt Mechernich.
Catherine und die Schülerinnen und Schüler der Nepal-AG